Verein "Tiere in Not":
Kreis-Veternäramt greift ein. Viele Welpen und Jungtiere
verwahrlost.
Grefrath. Ein Hinweis aus der
Bevölkerung hatte den Ausschlag gegeben: Aus einer nicht
artgerechten Tierhaltung wurden am vergangenen Montag insgesamt
73 Hunde von Veterinären des Kreises Viersen befreit. Bei der
Überprüfung der Hundehaltung auf einem Gehöft in Vinkrath an der
Paas wurden mehr als 80 Hunde vorgefunden, davon 44 Welpen im
Alter zwischen sechs und zwölf Wochen.
Der Verein "Tiere in Not", der
dort ansässig war, war schon länger unter Beobachtung der
Gemeinde Grefrath, die auch letzlich den Kreis einschaltete. Der
Verein war auch durch Auftritte bei "Tiere suchen ein Zuhause"
im WDR zu Gast.
"Das Allgemeinbefinden der Welpen
war stark gestört", erklärte gestern Dr. Helmut Theißen, Leiter
des Kreis-Veterinäramtes. "Die Tiere waren zum Teil abgemagert,
hatten Trommelbäuche. Das ist ein Hinweis für eine starke
Verwurmung. Außerdem wiesen sie gerötete Hautläsionen auf und
litten zusätzlich an wässrigem, teils blutigem Durchfall sowie
an Husten."
In Pferdestallungen,
Geräteschuppen, in einem Heizungsraum und einem Blechhäuschen
ohne Lichtzufuhr waren mindestens weitere 35 über drei Monate
alte Hunde eingesperrt. Bei diesen Tieren wurden unter anderem
juckende Hauterkrankungen festgestellt. Theißen: "Die
Haltungsbedingungen entsprachen in keinster Weise den
Anforderungen der Hundehaltungsverordnung."
Die überprüfte Hundehaltung war
dem Veterinäramt schon bekannt. Ihr wurde im Jahr 2004 als "Tierheimähnliche
Einrichtung" eine tierschutzrechtliche Erlaubnis erteilt jedoch
nur für das Halten von maximal zehn Hunden. Nach Stand der
bisherigen Ermittlungen wird angenommen, dass die Hunde aus der
Türkei über Italien nach Deutschland gebracht worden sind.
Vorgeschriebene Gesundheitszeugnisse lagen nicht vor. Auch waren
nicht alle impffähigen Hunde gegen Tollwut geimpft, die
erforderlichen Tollwutbestimmungen fehlten ebenfalls.
Mit Unterstützung des
Matthias-Neelen-Tierheims in Lobberich wurden alle Welpen im
Tierheim und die älteren Vierbeiner in einer Hundepension
untergebracht. Alle Tiere wurden unverzüglich tierärztlich
untersucht und entsprechend behandelt.
Das Kreisveterinäramt appeliert
an die Tierliebhaber, aus ihrem Urlaub insbesondere aus den
Ländern Südosteuropas oder Asiens keine Tiere aus Mitleid nach
Deutschland mitzubringen. Dies sei falsch verstandene Tierliebe
und fördere möglicherweise den illegalen Handel.
09.06.05
Grefrath / Nettetal